Drohnen als Paketlieferant

Pakete 30 Minuten nach der Bestellung per Minihubschrauber aus der Luft geliefert bekommen. So stellt sich Amazon-Chef Jeff Bezos den Onlinhandel der Zukunft vor.
Die Onlinemedien berichteten begeistert von dieser Idee. Es gab jedoch auch einige, die vor allem einen erfolgreichen PR-Stunt in der umsatzstärksten Woche des amerikanischen Einzelhandels sahen, ohne ernsthafte Realisierungschancen.

Der Verdacht liegt zumindest nahe und der Termin der Veröffentlichung ist sicherlich nicht zufällig gewählt.  Einige Tage später wurde dann aber auch über UPS gemeldet, dass bereits mit einer Drohnenflotte experimentiert würde. Zuletzt kam die Deutsche Post mit einem Video dazu an die Öffentlichkeit.

Auf den ersten Blick wirkt die Idee unmöglich umsetzbar. Wie soll das funktionieren, wenn der ganze Luftraum voller Drohnen ist? Und wo sollen die Geräte in den Städten landen? Genauer betrachtet scheint es für viele Bedenken jedoch durchaus Lösungsansätze zu geben.

Aus technischer Sicht sind viele Teilprobleme längst gelöst. Entsprechende Quadrokopter für Hobbytüftler sind vergleichsweise preisgünstig als Bausatz zu erwerben. Amazon will Oktokopter einsetzen. Diese Fluggeräte sind etwas komplexer in der initialen Abstimmung, im Ergebnis wird zusammen mit einer cleveren Steuerung durch die erhöhte Anzahl Rotoren aber die Ausfallwahrscheinlichkeit des Fluggeräts gesenkt.

Natürlich wird es Probleme geben, nicht in Karten eingetragene Hindernisse zu erkennen und zu Umfliegen. Aber auch die Hinderniserkennung ist seit Jahren erforscht. Noch in Forschung befindliche fliegende Roboter fanden schon vor über fünf Jahren selbstständig, ohne Karten der Landschaft, Opfer in simulierten Unglücksszenarien ohne dabei beschädigt zu werden.

Immer wieder wird der Abschuss von Drohnen mit Handfeuerwaffen als Problem genannt. Das ist und bleibt Sachbeschädigung und Diebstahl. Außerdem wird es nicht einfach sein, ein 40 bis 80 km/h schnelles Flugobjekt aus der Luft zu holen. Mit entsprechender Kamerabestückung des Gerätes ist der Übeltäter auch problemlos bei Abholung der “geschossenen” Ware zu ermitteln.

Das als Argument gegen eine Realisierung herangezogene Gewicht der Lieferung ist sehr dünnes Eis. Ein Großteil der bestellten Ware ist leichter als 2 kg. Paketlieferungen durch Transporter werden durch die neue Technik ergänzt werden, nicht komplett ersetzt. Letztendlich ist sicherlich auch nicht die Auslieferung jeglicher Pakete per Drohne geplant. Es geht eher um schnelle kleine Lieferungen. Dinge, die wenn sie fehlen möglichst schnell gebraucht werden. Dinge, wie Notfall-Medikamente, die vergessenen Eier beim Backen am Sonntag Abend oder Ersatz für fehlende Manschettenknöpfe.

Die von Amazon genannte Reichweite von 16 km Luftlinie reicht bei guter Platzierung des Lagers für die Großräume vieler Städte. Ich würde zunächst auch mit der Belieferung von Einfamilienhaus-Siedlungen starten. Dort stehen größere Landeplätze zur Verfügung. Dort sind Landungen sicherlich einfacher zu machen, als in den engen Wohngegenden der Gründerviertel.
Mit GPS kann eine Position heute auf wenige Meter genau ermittelt werden. In Kombination mit GLONASS und in einigen Jahren vielleicht Galileo sind auch wenige cm drin. Außerdem spricht nicht viel dagegen mit einem bedruckten Blatt Papier eine kuzfristige Landezone ähnlich einem Hubschrauberlandeplatz für die Lieferdrohne einzurichten, die diese per Bordkamera erkennt.

Natürlich ist der Aufwand für eine solche Entwicklung enorm und die diversen Startups mit ähnlichen Ideen sind bisher nicht marktreif. Aber wer, wenn nicht die großen Logistikkonzerne hat die Ressourcen, um solch eine Idee Realität werden zu lassen? 5 Jahre sind in Forschung und Entwicklung eine lange Zeit.

Die politischen und rechtlichen Hürden sind wahrscheinlich schwieriger zu meistern. Aber gerade ein Schwergewicht, wie Amazon in den USA oder die Post in Deutschland hat hier durchaus Einfluss und Möglichkeiten, die ein Startup nicht hat.

Kommentare

2 Kommentare zu “Drohnen als Paketlieferant”

  1. SWusKA am February 13th, 2014 12:53

    Drohnenabschuss betrachte ich als Notwehr. 😉

  2. Philosophen Typ am November 22nd, 2014 13:56

    Letztlich geht es doch darum, dass man immer schneller seine Produkte nach Hause geliefert bekommt. Aber – ehrlich gesagt – manchmal geht mir das bei Amazon sogar viel zu schnell. 🙂

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