Warum das Kartellamt keine Innovationsbremse ist – kein Hulu für Deutschland

Es sollte das deutsche Hulu werden, doch die beiden Sendergruppen ProSieben Sat.1 Media und RTL wurden vom Kartellamt ausgebremst. Ihre geplante gemeinsame werbefinanzierte Videoplattform wurde so nicht genehmigt. Auf den ersten Blick ist das ziemlich schade, weil den deutschen Internetnutzern damit eine Möglichkeit entgeht Fernsehinhalte dann zu sehen, wenn sie Zeit haben und nicht, wenn sie gerade ausgestrahlt werden.

In seiner Pressemitteilung erklärt das Bundeskartellamt

“Nach dem vorläufigen Ergebnis der Überprüfung ist das Bundeskartellamt der Auffassung, dass die Gründung der gemeinsamen Plattform in der konkret geplanten Form das nach wie vor bestehende marktbeherrschende Duopol der beiden Sendergruppen auf dem Markt für Fernsehwerbung weiter verstärken würde.”

Diese Erkenntnis ist zweifelsohne richtig. Im Moment teilen sich den werbefinanzierten privaten Fernsehmarkt genau diese beiden Firmen. Die Einstiegshürden in den Fernseh-Markt sind bereits jetzt sehr hoch und es erscheint fast unmöglich einen ökonomisch erfolgreichen neuen Kanal zu etablieren. Mit einer derartigen Videoplattform würden die beiden Mitspieler die Situation für sich weiter stabilisieren.

Weiter schreibt das Kartellamt:

“Die Behörde ist zu dem vorläufigen Ergebnis gelangt, dass nur bei einer offenen, rein technischen Plattform die Vorteile durch die erhöhte Reichweite für Video-on Demand-Angebote und die einfachere Navigation durch die Inhalte die auch dann noch bestehenden Nachteile für den Wettbewerb aufwögen.”

In diesem Satz steckt die eigentliche Wahrheit. Das Kartellamt forderte eine Art Youtube für Premium-Anbieter. Die beiden Mitspieler waren aber offenbar nicht bereit eine zwar zentrale aber nicht nur für Kunden, sondern auch für Anbieter offene Plattform zu schaffen. Sie wollten sich nicht auf einen zweiseitigen Markt einlassen. Dies wiederum ist absolut verständlich. Die Konkurrenz in diesem Markt wäre Youtube und MyVideo und das kommt bei ProSieben Sat.1 Media aus dem eigenen Hause. Auf sevenload stellen bereits Produktionsfirmen einen Teil ihrer Inhalte werbefinanziert zur Verfügung.

Wie kommt Deutschland trotzdem noch zu einer zentralen werbefinanzierten Videoplattform? Möglich wäre z.B. eine Zusammenarbeit der Sender mit sevenload. Diese Plattform wird von einer unabhängigen GmbH betrieben und könnte damit ihr Angebot ausweiten. Möglich wäre auch eine Zusammenarbeit mit Youtube. Damit würden dann aber gerade dem Marktführer weitere Kunden zugetrieben. Die ARD und das ZDF haben dort auch schon ihren Channel, aber sie dürfen ihre Inhalte ohnehin nur kurzzeitig im Internet zur Verfügung stellen.

Man wird abwarten müssen, wie die Geschichte weitergeht. Zunächst dürfen ProSieben Sat.1 Media und RTL bis zum 21. März eine Stellungnahme abgeben.

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