Gruppendynamik oder der studentische Mob

Heute morgen ging am KIT die Vorlesungszeit dieses Semesters los. Natürlich mit mindestens so viel Chaos, wie man sich das zum Semesterbeginn vorstellt.

Pünktlich um 9:45 warten ca. 20 Studenten auf den Dozenten der ersten Übung, der aber offenbar nicht erscheinen will. Dank moderner mobiler Internettechnik und Zufall findet einer der Wartenden dann heraus, dass auf der Institutswebsite (nicht auf dem offiziellen Studierendenportal) ein Hinweis versteckt wurde:”Vorlesung Spieltheorie I: Die Übung am 12.04. findet statt (ausnahmensweise im Rechenzentrum, Raum 217). Es werden organisatorische Themen besprochen.”

Die Truppe marschiert also schnurstracks in den angegebenen Ausnahmsweise-Raum, um beim Betreten des stickigen Raumes vor 6 freien Plätzen und ca. 50 weiteren Studenten zu stehen. Einer der 3 Assistenten, die geschäftig Zettel verteilen, fragt nach der Zahl der nun um 20 Minuten verspäteten Studenten. Um dann sinngemäß zu erklären:”Wir machen hier einen Versuch, Sie können nicht mehr mitmachen. Das können Sie sich für die Zukunft gleich merken, bei Spieltheorie muss man pünktlich sein. Bitte gehen Sie jetzt, damit wir hier weitermachen können!” Widerworte wurden nicht geduldet und mit einem “50 Leute habens ja gewusst” abgebügelt.
So standen im Ergebnis 20 wütende Studenten vor der Tür.

Dort fällt relativ schnell die Entscheidung sofort in der großen Gruppe etwas zu unternehmen, schließlich hat man als große Gruppe mehr Einfluss.
Die Vorlesung (und Übung) erforderte keine Anmeldung und ein Dozent kann nicht einfach ordentliche Studenten von einer Vorlesung ausschließen – erst recht nicht, wenn eine Prüfung darüber Pflicht ist oder ein begleitendes Pflichtseminar belegt wurde.
Mit der Einführung von Studiengebühren steigen berechtigterweise auch die Ansprüche der Studenten an den Dienstleister Universität.

Nach kurzer Beratschlagung entschließt man sich direkt zum Büro des zuständigen Professors zu gehen. Eine Mitarbeiterin (vermutlich die Sekretärin) ist sichtlich überascht von der Größe des “Mobs” und eilt zum Übungsraum, um zu retten, was noch zu retten ist.
Teilnehmen durften wir dann doch nicht mehr, aber es gab zumindest schonmal eine von der Sekretärin überbrachte Entschuldigung – auch für die rüde Wortwahl – und das Versprechen, den Hergang nach oben weiterzugeben.

Gut zu wissen, dass man manche Missstände in einer Gruppe zumindest zu einem Punkt bringen kann, dass die Verursacher sie erkennen.
Ich werde noch zum großen Fan der Gruppendynamik.

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