Lautheitskrieg – Dynamik vs. Kompression

Zugegebenermaßen, es hört sich schon heftig an, aber der Vergleich mit einem Krieg, aber bei diesem Kampf gibt es nur Verlierer.

Vor 9 Monaten schrieb die SZ schon einmal darüber unter dem Titel “Tage des Donners“, aber erst jetzt schreien die Fans auf. Grund ist Metallicas neues Album “Death Magnetic”. Die CD-Version ist, wie es heute leider üblich ist auf laut getrimmt und dabei stark komprimiert worden. Dabei werden leise Bereiche eines Liedes verstärkt und laute Bereiche gedämpft. Natürlich gehen damit viele Informationen und Nuancen eines Liedes verloren.
Universal hat aber auch eine Version für das Konsolen-Spiel “Guitar Hero” rausgebracht. Dort wurde nicht oder zumindest nicht so stark komprimiert.

Meine beiden Kumpel und Mitbewohner Alex und Peter haben das mal getestet und dabei massive Unterschiede festgestellt.

Schon auf einer halbwegs brauchbaren Anlage hört man den Unterschied wohl eklatant. Ich habe gerade keine gute Anlage zum Testen hier, aber morgen Abend wird das ausgiebig ausprobiert. Mich persönlich würden ja 2 Dinge interessieren:

  1. Wie klingt die Schallplatten-Version von Death Magnetic?
  2. Warum bringt gerade Metallica eine so schlecht gesampelte Platte raus? Damit vergraulen sie sich meiner Meinung nach die besten Kunden, die gute Anlagen haben und gute Musik darauf hören wollen. Auf diesem Wege wird Musik immer mehr zur gleichmäßig lauten Hintergrundberieselung.
  3. Warum wird gerade die Guitar Hero-Version besser gemacht? Die landet doch eh auf irgendwelchen billigen Fernsehern, die häufig nicht gerade den besten Klang haben.

Wer sind jetzt also die Gewinner?

Wahrscheinlich ist es alleine die Musikindustrie, deren Produkte mit hoher Lautstärke im Radio gespielt werden und damit für mehr Bekanntheit sorgen. Dabei können gerade die vom Radio ihre Musik selber komprimieren, damit sie gleichmäßig laut über den Sender geht. Langfristig schadet das aber auch der Musikindustrie, wie jeder Krieg allen Seiten auf Dauer schadet.

[Update] Inzwischen konnte ich das auf meiner Anlage testen und ich bin entsetzt. Die Album-Version klingt im Vergleich wirklich stark verzerrt. Die Guitar Hero-Version ist dagegen richtig gut. Mir hat das Album nach häufigem Hören ja schon recht gut gefallen, aber die erheblich bessere Ton-Qualität verbessert es nochmal gewaltig.

Kommentare

2 Kommentare zu “Lautheitskrieg – Dynamik vs. Kompression”

  1. Carlos am June 5th, 2010 09:48

    Ja, die Sache mit der Death Magnetic von Metallica führt immer wieder zu kontroversen Diskussion. Die Sache mit der Lautheit beruht auf einem psychoakustischem Phänomen, das dazu führt, dass lautere Musik als besser empfunden wird.

    Daher will jeder seine Musik noch lauter machen. In den letzten 20 Jahren haben wir satte 20 dB an Lautheit dazugewonnen und sind nun technisch an der Grenze angelangt. Es geht nicht mehr lauter, nur noch verzerrter (und vermeintlich laut).

    Was die Metallica-Scheibe angeht: Es gibt nur wenige audiophile Hörer dort draussen und gerade Metallica haben bereits mit der Justice for all bewiesen, dass eine erfolgreiche Scheibe nicht mit deren Klangqualität zu tun haben muss. Hier ist es ähnlich, nur dass Metallica hier mit seiner Scheibe im Prinzip die eigene musikalische Härte noch betont.

    Jedenfalls habe ich noch keinen meiner Nicht-Musiker-Freunde über die Klangqualität sprechen hören…

  2. Vom Instrumentenbrei zum Hörgenuss – Die Mastering Suite | Das MAGIX Magazin am May 27th, 2011 22:58

    [...] Tönen) und der Lautheit. Je lauter ein Song ist, umso weniger Dynamik weist er auf. Vor allem Chart-Musik ist besonders laut, um die Aufmerksamkeit des Zuhörers auf sich zu ziehen. Bei klassischer Musik wird mehr Wert auf [...]

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